Turn of the Tide -Warum deutsche Unternehmen in einen radikal neuen Innovationsmodus schalten müssen

Aktualisiert: 5. Juli 2019

Einerseits ist Innovationsfähigkeit einer der wichtigsten Treiber für langfristiges Wachstum – und deutsche Unternehmen zählen zu den innovativsten der Welt (Karberg, S. 2018). Andererseits hat, laut zahlreicher Forschungsinstitute, nun auch die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose revidiert. Der ifo-Geschäftsklimaindex geht kontinuierlich zurück, deutsche Unternehmen verlieren zunehmend Marktanteile, zum Beispiel an aufstrebende chinesische Firmen oder an neue Player, die sich mit dis-ruptiven Lösungen in bestehende Industrien und Wertschöpfungsketten drängen. Wie ist es also wirk-lich um die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bestellt?

Tatsächlich sind deutsche Unternehmen Weltspitze in der ständigen Weiterentwicklung bestehender, erfolgreicher Produkte. Präzision, Zuverlässigkeit und höchste Qualität zeichnen sie aus. Würden wir heute in einer Welt leben, in der alleine das „Besser, Schneller, Weiter“ neue Wettbewerbsvorteile schafft, wäre alles in bester Ordnung. Genau das ist aber nicht der Fall: Von uns selbst geschaffene Ereignisse wie aufkommende Handelskriege, wegbrechende Märkte, der anstehende, immer noch ungelöste Brexit oder die Digitalisierung lassen in uns zunehmend die Erkenntnis wachsen, dass das geübte und in unseren Unternehmenskulturen fest verankerte „Besser, Schneller, Weiter“ nicht mehr funktioniert.

Die Frage nach der Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft muss also präzisiert werden: „Wie steht es um die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft in Zeiten von Disruptionen und Systembrüchen?“. Neues verlangt auch radikal neues Denken und damit einen grundlegend neuen Innovationsmodus. Aus der Innovationsforschung wissen wir aber, dass Unternehmenskulturen, die jahrzehntelang auf inkrementelle Verbesserung ausgelegt waren, nur sehr eingeschränkt in der Lage sind, sich dermaßen radikal zu verändern. Die für inkrementelle Innovationen notwendigen, klaren Strukturen und Prozesse, genau definierte Zuständigkeiten und ein auf den bestehenden Kunden ausgerichtetes Marketing und einen eben solchen Vertrieb also ins Gegenteil zu verkehren.

Eine Maschine zum Beispiel folgt präzise vorgegebenen Richtlinien und verträgt keine Störungen. Radikal zu innovieren ist eine solche Störung, ja sogar eine gravierende! Und ganz schnell kommt man zum Ergebnis, dass eine neue Maschine geschaffen werden muss, die nach ganz anderen Richtlinien funktioniert. Und ebenso schnell wird klar, diese Maschine muss nicht nur eingebettet sein in ein völlig anders funktionierendes Unternehmen, sondern auch in ein gänzlich neues Umfeld aus gesellschaftlichen Einstellungen und politischen Rahmenbedingungen. Alle drei Spieler, Unternehmen, Gesellschaft und Politik brauchen einen Systemwechsel. Alle drei müssen sich darüber im Klaren sein, wie ernst die gegenwärtigen Herausforderungen sind. Und dass diese nur bewältigt werden können, wenn sich alle Akteure auf einen gemeinsamen Zukunftsplan einigen können, der am Ende bedeutet, dass sie heute auf Gewohntes verzichten, um langfristig leistungsfähig sein zu können. Nur eines scheint sicher: Ohne das Verlassen unserer Komfortzone wird es in Zukunft keinen Komfort geben.


Von: Peter Russo


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