„Winter is coming“ – wie sich deutsche Unternehmen auf den kommenden Abschwung vorbereiten müssen

Aktualisiert: 5. Juli 2019

Nach Jahren, in denen die Wirtschaft Rekordgewinne erzielte und der Staat Steuerüberschüsse verzeich-nete, stellen sich viele die Frage, wie lange dieser konjunkturelle Boom noch anhält. Dieses Unsicher-heitsgefühl wird getrieben durch wöchentliche Meldungen über politische Konflikte, die im Aufbau von Handelsschranken und Abbau von Bündnissen resultieren. Eine Rezession könnte bevorstehen. Die Frage ist nun, wie die deutschen Unternehmen darauf reagieren.

Für eine Antwort sollte man sich die Charakteristika der deutschen Wirtschaft vor Augen halten: Expor-torientierung, Zyklizität, familiengeführte Unternehmen und Innovationskraft. Aus dem starken Außen-handel folgt zwar eine Abhängigkeit von verschiedenen Märkten, jedoch wird auch das Risiko der Un-ternehmen gestreut, die zugleich immer wettbewerbsfähiger werden. Während andere Volkswirtschaf-ten durch antizyklische Branchen Krisen abmildern können, hat Deutschland nur eingeschränkte Mög-lichkeiten durch die hiesigen Schlüsselindustrien wie die Autoindustrie. Neben den multinationalen Kon-zernen sind der deutsche Mittelstand und insbesondere familiengeführte Unternehmen der Kern der deutschen Wirtschaft. Deren langfristige Strategie hat den meisten Mittelständlern bereits in der letzten Krise geholfen. Auch jetzt bauen Familienunternehmen ihre Eigenkapitalbestände auf, um so auf eine schwächere Konjunktur vorbereitet zu sein.

Börsennotierte Unternehmen wie Bayer oder SAP haben unterdessen bereits Kosteneinsparungspro-gramme und die Fokussierung auf das Kerngeschäft kommuniziert. Obwohl geringer Kosten oft unab-dingbar sind, dürfen sie nicht als Allheilmittel verstanden werden. Studien über den Erfolg von Turnaround-Strategien haben gezeigt, dass Unternehmen, die in der Rezession mehr als ihre Wettbe-werber in Forschung und Entwicklung, Investitionsausgaben und Marketing investieren, besonders gut aus der Krise kommen. Neben der Wirtschaft kann sich auch der Staat auf eine Rezession vorbereiten, zum Beispiel durch Reformprogramme, Sicherheitsrücklagen oder eine Reduzierung der Schuldenquote. Gerade letzteres hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass der deutsche Staat ein großes Kon-junkturprogramm schnüren konnte.

Ungeachtet der sehr guten wirtschaftlichen Lage sollte man nicht vergessen, wie schnell sich die wirt-schaftlichen Rahmenbedingungen ändern können. In den 2000er Jahren galt Deutschland als „kranker Mann Europas“ mit einer wirtschaftlichen Stagnation, die über zehn Jahre angehalten hat. Um das für die Zukunft zu verhindern, müssen die Entscheider in Wirtschaft und Politik Weitsicht beweisen, damit sie möglichst nachhaltig die Weichen stellen können.


Von: Niklas Dahlen


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